«Ich komme mit meinen Fingern nicht bis zu den Zehen!»

Als Yogalehrerin höre ich immer wieder: „Ich würde ja gerne Yoga machen, aber ich komme mit meinen Fingern nicht einmal bis zu meinen Zehen!“ oder „Ich bin leider viel zu unbeweglich für Yoga.“ Der Yogalehrer Peter Clifford betont dazu: „Zu sagen, man wäre zu steif für Yoga ist wie zu sagen, man wäre zu schmutzig, um ein Bad zu nehmen.“

Du gehst ja auch in jeden anderen Kurs, um etwas Neues zu lernen oder dich darin weiterzuentwickeln – und nicht, weil du es schon perfekt beherrschst. Mit der Zeit wirst du beweglicher werden. Finger- und Zehenspitzen werden sich näherkommen und sich anfreunden. Die einzige Voraussetzung, die du für Yoga mitbringen solltest, ist geistige Offenheit.

Yoga hat zudem absolut nichts mit Akrobatik zu tun – auch wenn uns die Medien dies öfters glauben lassen. Die Yogawelt illustriert leider allzu oft kunstvoll verbrezelte Menschen und lässt damit viele Menschen im Irrglauben, im Yoga gehe es um maximale Beweglichkeit.

Wenn man sich aber etwas vertieft mit Yoga auseinandersetzt, wird einem bald einmal klar, dass das Ziel von Yoga ziemlich wenig mit Körperhaltungen zu tun hat. Es geht vielmehr darum, die Gedankenwellen zu beruhigen. Das wiederholte Schielen auf die Praxis der Mattennachbarin oder das sich Vergleichen mit den Yoginis auf Instagram, macht den Geist ganz gewiss nicht ruhiger und ausgeglichener. Vermutlich ist der gelassene, ältere Herr, der sich unterstützt mit Hilfsmitteln bedächtig, aber bewusst in die Yogahaltung hineingibt, mehr bei der Sache und in Kontakt mit sich selbst. Anstatt also Perfektion oder Gleichförmigkeit auf der Yogamatte anzustreben, sollten wir unsere Einzigartigkeit feiern und würdigen.

Yoga ist kein Work-OUT im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr ein Work-IN – die Suche und der Aufbau einer liebevollen und achtsamen Beziehung zu sich selbst. Und dann kann sich irgendwann, vielleicht ganz unerwartet das Gefühl einstellen: Wenn ich Yoga praktiziere, dann bin ich ganz bei mir. Die Welt bleibt aussen vor. Und dies erst noch mit bemerkenswerten, positiven Auswirkungen auf den Stresslevel, die Schlafqualität, die Aufmerksamkeitsspanne und das allgemeine Wohlbefinden.

“Yoga is not about touching your toes. It is what you learn on the way down.”
Jigar Gor

Im Yoga geht es nicht darum, bei der Vorwärtsbeuge die Zehen zu berühren. Das was wirklich zählt ist, was man auf dem Weg nach unten lernt. Praktiziere Akzeptanz für das, was dein Körper ausführen kann und möchte, sei liebevoll mit dir und spüre, was sich in dir dabei verändert. Während deiner Zeit auf der Yogamatte geht es nicht ausschliesslich um Bewegung und Atmen, sondern viel mehr um das, was in deinem Herzen bleibt, wenn du von der Matte zurück ins Leben trittst.

Und weißt du was? Einige Körperübungen wirst du und ich vielleicht nie in Vollendung ausführen können. Und das ist vollkommen in Ordnung!

Wage deinen ersten, mutigen Schritt – tanjayoga ist gerne dein Wegbegleiter ;-)! Und die Zauberformel lautet: Mache Yoga für DICH und habe dabei ein gutes Gefühl.

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